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Am 8. September
fand in der Halle des Bahnhofes Köln-Deutz die Veranstaltung
"Armando Rodrigues de Sá, der millionste Gastarbeiter,
das Moped und die bundesdeutsche Einwanderungsgesellschaft"
statt. Erinnert wurde die Beschenkung des millionsten Gastarbeiters
durch den Arbeitgeberverband vor 40 Jahren. Mit der Feier am authentischen
Ort wurden über 500.000 Migrantinnen und Migranten aus Spanien
und Portugal gewürdigt, die an diesem Bahnhof ankamen, um in
Deutschland zu arbeiten. Zwei wissenschaftliche Tagungen mit ausgewiesenen
Experten in der Jugendherberge Köln-Deutz erweiterten den Blick
auf die Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Einwanderungsgesellschaft.
Ein umfangreiches Filmprogramm zur Eröffnung und zum Abschluss
der Gesamtveranstaltung zeigte seltene Fundstücke zur Migration
aus dem WDR-Archiv.
Das Landeszentrum für Zuwanderung NRW realisierte
das umfangreiche Programm in Kooperation mit der Landeszentrale
für politische Bildung NRW, dem Dokumentationszentrum und Museum
über die Migration aus der Türkei (DOMiT), dem WDR Funkhaus
Europa und dem Integrationsbeauftragten des WDR. |
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Erinnerungsveranstaltung |
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Bilder der Erinnerungsveranstaltung vom 08.09.2004.
Fotodokumentation
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In ihrer Begrüßungsrede
würdigte die Leiterin des Landeszentrums für Zuwanderung
NRW, Carmen Teixeira, die Lebensleistung der „Gründergeneration“
der bundesdeutschen Einwanderungsgesellschaft. Sie verdeutlichte,
dass sich Deutschland erst seit kurzem offensiv als Einwanderungsgesellschaft
verstehe. Mitte der 1960er und Ende der 1970er Jahre gab es bereits
frühe Ansätze, Einwanderung als solche wahrzunehmen und
zu einem öffentlichen Gegenstand zu machen. Das Thema wurde
allerdings angesichts wirtschaftlicher Rezessionen nicht weiter
diskutiert. Das integrationsfreundliche Klima in Nordrhein-Westfalen
heute gäbe den Eingewanderten emotional das Gefühl, dazu
zu gehören. So sei die Feier der Ankunft der Migranten nach
40 Jahren auch eine symbolische Anerkennung ihrer Lebensleistung
und eine Würdigung des Beginns einer gemeinsamen Geschichte.

In der ersten Reihe S.E. Dr. João de Vallera (Botschafter
der Portugiesischen Republik in Deutschland), Frau Cornelia Prüfer-Storcks
(Staatssekretärin im Ministerium für Gesundheit, Soziales,
Frauen und Familie des Landes NRW), Leiterin des Landeszentrums
für Zuwanderung NRW, Frau Carmen Teixeira, Landtagsabgeordnete
Frau Altenkamp.
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Die
Staatssekretärin im Ministerium für Gesundheit, Soziales,
Frauen und Familie des Landes Nordrhein-Westfalen, Cornelia Prüfer-Storcks,
betonte in ihrer Rede, dass auch die aufnehmende Gesellschaft Verantwortung
für das Gelingen von Integration trage. In NRW gebe es seit
einigen Jahren mit der „Integrationsoffensive“ ein breites,
politische Parteien übergreifendes Einverständnis über
die Notwendigkeit, gemeinsam mit den Menschen in diesem Land die
Herausforderungen der Einwanderungsgesellschaft zu gestalten. Es
sei der politische Wille der Landesregierung, Chancengleichheit
von Zugewanderten und Gleichstellung in allen Lebensbereichen zu
erreichen.
Dr. João de Vallera Botschafter der
Portugiesischen Republik in Deutschland sprach ein Grußwort.
Mitte:
Moderatorin Daniela Milutin, WDR Funkhaus Europa mit Zeitzeugin
Rosa de Carvalho Peixoto und ihrem Mann José de Jesus Araújo
/ links: ein Foto von 1977, Frau Peixoto im Konferenzraum des Bundeshauses
mit Arbeitskolleginnen / rechts: Herr Araújo als Gittarist
einer Rockgruppe spielt im portugiesischen Kulturverein in Köln
1974.
Daniela Milutin vom WDR moderierte ein Gespräch mit drei Zeitzeugen,
in deren Leben der Bahnhof Deutz als Erinnerungsort der Arbeitsmigration
eine Rolle gespielt hat.
Rosa de Carvalho Peixoto und José de Jesus Araújo
sind beide als Arbeitsmigranten aus Portugal mit Gastarbeiterzügen
in Deutz angekommen. Sie haben sich – Jahre später –
in Deutschland verliebt, sind ein Paar geworden und haben hier Kinder
groß gezogen. Frau Peixoto erzählte, wie schwer es am
Anfang für sie gewesen sei. Nur durch die Unterstützung
ihrer Schwester, die schon länger in Deutschland lebte, habe
sie die erste Zeit der Sprachprobleme und Isolation überstanden.
Die Armut der Familie in Portugal hatte die gelernte Sattlerin dazu
bewegt, nach Deutschland zu kommen und als Reinigungskraft in einem
Bonner Krankenhaus und später als Garderobiere im Bundeshaus
ihr Geld zu verdienen. Frau Peixoto betonte, sie sei immer gut mit
Ihren deutschen Arbeitskollegen klar gekommen, Ausländerfeindlichkeit
habe sie nie am eigenen Leib gespürt. Ihr Mann José
Araújo bemerkte, dass er inzwischen mehr Jahre in Deutschland
verbracht habe als in Portugal. Seine Lebensplanung sei es eigentlich
gewesen, am Ende seines Arbeitslebens wieder in Portugal zu wohnen,
aber wegen der Kinder, deren Lebensmittelpunkt Deutschland sei,
werde immer ein Stück von ihm in Deutschland bleiben. Mehr
über das Ehepaar Araujo unter Geschichten.

Mitte: Moderatorin Daniela Milutin, WDR interviewt den Zeitzeugen
Oscar Calero / links: Oscar Calero in seinem Büro bei der Caritas
/ rechts: Calero als Werkstudent
Der Spanier Oscar Calero erzählte von seiner Zeit als Sozialbetreuer
der Caritas in Deutz im Auftrag der Bahnhofsmission. Anfangs sei
er, damals noch Werkstudent, ehrenamtlicher Helfer auf dem Bahnsteig
gewesen, wenn donnerstags die Gastarbeiterzüge auf dem Gleis
Deutz-Tief eintrafen. Er habe geholfen, die schweren Koffer der
Gastarbeiterinnen zu tragen und wegen seiner Sprachkenntnisse auch
übersetzt. Oscar Calero ist verheiratet mit einer deutschen
Frau. Aus dem Ehrenamt sei dann ein Beruf im Dienst der Caritas
geworden (mehr dazu unter Die Fahrt).
Calero stellt fest, dass damals eine Generation „ von ungebildeten,
aber sehr wohlerzogenen Spaniern“ nach Deutschland gekommen
sei. Diese hätten viele Nachteile in Kauf genommen, um hier
zu arbeiten. Sie hätten vielen Widrigkeiten widerstanden und
der deutschen Aufnahmegesellschaft nie Probleme bereitet. Ihre Kinder
hätten sie zu einer schulisch und gesellschaftlich sehr erfolgreichen
Generation erzogen.

Rafael Cortés und Juanfe Luengo spielen Flamenco / Infotafel
zur Webseite und Büchertisch in der Bahnhofshalle
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Paola Fabbri
Lipsch vom Verein Migrationsmuseum in Deutschland e.V. stellte in
ihrer Rede zur musealen Darstellung der Migrationsgeschichte fest:
"Auch wenn heute kaum noch bestritten wird, das Deutschland
ein Einwanderungsland ist, gibt es weder ein Archiv noch ein Museum,
das die vielfältige Geschichte der Einwanderung dokumentiert
und der Öffentlichkeit dauerhaft zugänglich macht . Diese
Erinnerungs- und Gedächtnislücke steht im offensichtlichen
Gegensatz dazu, dass die Einwanderer heute in allen Lebensbereichen,
in der Gesellschaft, im Alltag, in der Arbeitswelt und im kulturellen
Leben äußerst präsent sind . Ziel ist ein Migrationsmuseum
als Zentrum der Geschichte, Kunst und Kultur der Migration zu errichten
. Ein solches Zentrum soll dazu beitragen, das historische Gedächtnis
der Einwanderungsgesellschaft sichtbar und erfahrbar zu machen."

Filmvorführung über den
Bahnhof Deutz als Drehscheibe der Migration
Als besonderes Zeitdokument wurde ein Film über den Bahnhof
Deutz als „Drehscheibe der Migration“ projiziert. Geschnitten
aus teilweise unveröffentlichtem Material, zeigte der Film
ein kurzes Interview mit Armando Rodrigues auf dem Bahnsteig und
die Befragung des Arbeitgebervertreters, Dr. Dunkel, durch einen
WDR-Reporter (Transskript).
Zusammengestellt wurden die Sequenzen von Paul Hofmann von der Kinemathek
im Ruhrgebiet, ermöglicht wurde die Präsentation dieser
Filmcollage durch die starke Unterstützung des WDR und seines
Integrationsbeauftragten, Dr. Gualtiero Zambonini.

Zeitzeugen der Webseite auf dem Gleis Deutz-Tief, auf dem die Sonderzüge
mit den Gastarbeitern aus Spanien und Portugal eingetroffen sind.
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Die Festrede
hielt der Lyriker José F.A. Oliver: „Wir, autobiographisch
unterwegs. Von Deutschland nach Deutschland“ lautete sein
Vortrag.
Der Sohn eines andalusischen Migranten wuchs in Hausach im Schwarzwald
auf. Er beschrieb in seiner poetischen Rede seine Kindheitserinnerungen
an den millionsten Gastarbeiter, wie er in einen Abfalleimer griff,
ein Zeitungsfoto von Armando Rodrigues fand, wie sich der so gefundene,
der Mann mit dem Hut und dem Lächeln in den Augen des Kindes
verwandelte, wie er in dem einen Gastarbeiter alle Gastarbeiter,
und schließlich auch seinen eigenen Vater erkannte. Oliver
erzählt den Gründungsmythos seiner Familie, wie sie ihren
Weg in den Schwarzwald fand, getrieben von der unbändigen Kraft
eines den Vater verfolgenden Stieres. Doch dies und anderes liest
man viel besser in dieser feinfühligen, energischen Rede selbst
nach.
Resonanz (Auswahl)
"Die Zeit" vom 09.09.2004 Ich
war sehr neidisch
"aid, Integration in Deutschland" 3/2004
40
Jahre seit dem "großen Bahnhof"
"taz" 09.09.2004 Den
großen Bahnhof gab's nur für einen
Harte
Jahre im Land des Geldes
"WDR Funkhaus Europa" 06.09.2004 Nix
Liebe - nur Arbeit
"Kölnische Rundschau" 07.09.04 Vor
40 Jahren: Ein Moped für den 1.000.000 Gastarbeiter
"Was ist was" Der
1 Millionste Gastarbeiter
"Saar Echo" Arbeiter
rief man, aber es kamen Menschen
"PÚBLICO" 09.09.04" Alemanha
Presta Homenagem
"Las Provincias" Las
‘43 chicas de Béjar’, nuestras primeras emigrantes
"EL PAÍS - España " 27.03.2005
Foro
por la Memoria
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Bilder der Tagung und des Wissenschaftsforums in der Jugendherberge
Deutz Fotodokumentation
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